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Ein Angriff auf Gaarden

24. Oktober 2016
2016-10-24-07-37-13

Aufnahme am Morgen des 24.10. von einer der beiden eingeworfenen Scheiben

Der Angriff auf den Bioladen in Gaarden ist Einiges in Einem:

  1. Ein Angriff auf freie Meinungsäußerungen
  2. Ein Angriff auf ein friedliches Zusammenleben In Gaarden und Kiel
  3. Und ein Angriff auf Gaarden als Stadtteil (auf alle!)

Oft als Problemviertel gescholten ist Gaarden ein Stadtteil der Widersprüche, wo man aber doch auch mit den vorhandenen Vorurteilen auf allen Seiten irgend wie miteinander auskommt. Eigentlich besser als man vermuten könnte. Insofern ist Frieden in Gaarden all denen ein Dorn im Auge, die von Zwietracht profitieren würden. Sie wollen sehen, dass Gaarden scheitert. Und Orte an denen Vorurteile eher abgebaut werden und (fast) jeder willkommen ist, sind solchen Kräften ein Dorn im Auge.

Wie auch immer sie sich nennen, ob nun NPD, AfD oder ISIS. Sie profitieren in dem Augenblick wo Angst geschürt wird. Das Loch in unseren Fensterscheiben ist Projektionsfläche: Manch einer denkt tatsächlich es wäre die Tat von Fremden. Weil es so schön zu den Vorurteilen passt, die man eh schon hat. Aber Fälle, wie der vom Bürgermeister von Oersdorf zeigen: Wenn um  die Ecke rechte Überzeugungen in Taten umgesetzt werden,  braucht man Fremde nicht mehr zu fürchten. Dann werden, die, die manchem vielleicht vertrauter sind zur eigentlichen Gefahr für das eigene Leben und Wohlergehen.

Insofern ist es ganz einfach: Unser Frieden und unsere Sicherheit wird exakt von den Organisationen bedroht, die eine aufgeklärte, tolerante Gesellschaft als Feindbild haben. Nicht mehr und nicht weniger.

Wollen wir uns von Angst bestimmen lassen, oder wollen wir das Zusammenleben verbessern. Auch wenn es inzwischen abgedroschen ist und von der Kanzlerin zurückgenommen wurde, so finde ich eine grundsätzliche Haltung wie „Wir schaffen das“ alternativlos. Der Satz beinhaltet selbst keine Antworten, sondern besagt nur das Gegenteil von „Alles geht kaputt“ und einer Weltuntergangsstimmung. Es gibt ein einfaches Sprichwort, dass besagt „Angst ist ein  schlechter Ratgeber“. Wenn es Probleme gibt,  muss man sie lösen. Und wie die Lösung aussehen kann, hängt vom einzelnen Problem ab. Populisten wollen uns glauben machen, es gäbe für alle Probleme ganz einfache Lösungen, wie z.B. Grenzen dicht und alles ist gut.

2015 gründete sich „Welcome@Gaarden“ aus einem Kreis von GaardenerInnen, die er Überzeugung waren, dass es für die neuen Herausforderungen Lösungen braucht. Das es mehr Probleme gibt, wenn man nichts tut. Das  sich der Hass in die Gaardener Gesellschaft graben könnte und damit die Angst und das Misstrauen wächst.

Das Gegenteil von Misstrauen ist Vertrauen. Das zu entwickeln fordert Geduld und Energie. Aber es bringt viel mehr Freude, als wenn sich alle vereinzelt in ihre Wohnungen zurückziehen. Es geht nicht um Illusion, sondern darum ein konkretes, besseres Zusammenleben zu entwickeln.

Als Unterstützer der Initiative „Welcome@Gaarden“ stehe ich nach wie vor zu den Zielen.  Wunder können wir auch nicht bewirken, aber es kommt immer auf den Versuch an. Was wäre die Welt heute, wenn niemand je einen Sprung nach vorne gewagt hätte? Ohne Versuch kein Fortschritt und ohne Vertrauen keine Gesellschaft. Vertrauen  macht jedenfalls sehr viel mehr Spaß. Das erlebe ich jeden Tag im Laden, auch wenn es im Ladenalltag auch vereinzelt negative Erfahrungen gibt. Aber das gehört zum Leben dazu. Das ändert nichts an meiner grundsätzlichen Einstellung. Und gerade Gaarden kann  ein Fünkchen Hoffnung gut gebrauchen!

 

PS: Nach all dem Gesagten: Es gibt noch keine Beweise dafür wer was gemacht hat. Aber die Indizien sind eindeutig und am Ende des Tages ist das, was ich sage auch unabhängig davon wahr, ob eine Scheibe zu Bruch ging oder nicht.

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3 Kommentare leave one →
  1. 24. Oktober 2016 23:32

    Thilo ich bin ganz und gar deiner Meinung was die vorteilsvollen Kräfte von Vertrauen angeht – und die unzähligen Gründe, die gegen Angst und v. A. Angstmache sprechen!

    Nur ganz kurz in diesem Sinne : wir haben uns heute auf 2 Wohnungen in Gaarden beworben 😀 auch wenn es woanders aufm Ostufer werden sollte, hätten wir dann ganz gern unsere Mitgliedsnummer zurück 😉

  2. 25. Oktober 2016 22:36

    Ein wunderbarer Artikel! Wünsche dir ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen! Mechthild

  3. kultgenosse permalink
    26. Oktober 2016 08:12

    Ohne Vertrauen, keine Gesellschaft, schön formuliert und wahr. Viel Erfolg mit euerem Laden!

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